KV on tour in Dortmund
12.-14. Februar 2026 | Westfalenhalle
Willow Creek Leitungskongress
Seit vielen Jahren sind wir verbunden mit Willow Creek und deren Leitsatz »The local church ist the hope of the world« (»Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt«). Seit vielen Jahren kommen hier – aus Landeskirchen und Freikirchen – Leiter von Gemeinden und Kirchen zusammen, um Impulsen von spannenden Rednern zu lauschen, die man sonst nur als Autoren, Podcaster oder als erfolgreiche Leiter kennt.
Ausgerüstet mit jeder Menge Erwartungen und dem Gemeindebus machten sich unsere Kirchvorsteher Maya, Albrecht und Christian im Februar auf den Weg nach Dortmund, um am diesjährigen Willow Creek Leitungskongress teilzunehmen.
Inhaltlich war es sehr dicht. Ein Referent reihte sich an den nächsten, zwischendurch gab es immer wieder auch kleine Theaterstücke, Video-Einspieler und Lobpreis-Sessions, die oft eine sehr gelungene Hinführung oder Vertiefung zu den Themen darstellten. Besonders eindrücklich fand ich beispielsweise die Bühnenbesetzung am Morgen des zweiten Tages, bei der etwa 20 in ihren Lebenssituationen erkennbare Menschen das Lied »Goodness of God« sangen und den Satz »Je vielfältiger, desto reicher seid ihr, denn Jesus allein schenkt Einheit« unterstrichen.
Inmitten von etwa 6.000 Teilnehmern trafen wir auch einige bekannte Gesichter und tauschten uns persönlich aus. Ich denke zum Beispiel an Tilman Möller aus Siloah, Freunde von der Versöhnungsgemeinde Plauen, unseren früheren Pfarrer Thomas Piehler oder auch Musiker von crescendo (Arbeitszweig von Campus für Christus), die im Sommer wieder bei uns im Gottesdienst spielen werden.
Maya, Albrecht und ich haben die gemeinsame Zeit sehr genossen. Schön war, dass wir uns direkt über das Gehörte austauschen konnten, sei es beim Essen, beim abendlichen Wein, oder den gemeinsamen Fahrten mit der U-Bahn und dem Gemeindebus. Weil es so schön, inspirierend und gemeinschaftsstiftend war, haben wir uns schon jetzt fest vorgenommen, beim nächsten Kongress auch in der Gemeinde dazu einzuladen, immerhin hat unser Gemeindebus 9 Plätze:)
Christian Keller
Einblicke zu einzelnen Vorträgen
Tod Bolsinger, Autor von »Canoeing the Mountains«, nahm gut das Krisengefühl der westlichen Gesellschaften auf, das auch vor der Kirche nicht Halt macht. Er ermutigte uns, in einem Dreischritt genauer hinzuschauen:
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Was sind die Berge?
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Wie verändert sich der Auftrag?
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Was sind die Kanus, die man zurücklassen muss?
Nach seiner Analyse sind drei tieferliegende Probleme in der Kirche zu beobachten: Ein Mangel an tiefer, tragfähiger Jüngerschaft, ein Mangel an Gemeinschaft und ein Mangel an ausreichender Leitungskapazität (in dezentralen Strukturen). Seine Frage, ob man womöglich liebgewonnene Gemeindeprogramme zurücklassen müsse, um Raum zu schaffen für persönliche Jüngerschaft und Gemeinschaft, empfand ich als erschütternd und ermutigend zugleich.
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Im Interview mit John Mark Comer wurde das Thema Jüngerschaft weiter vertieft. Er berichtete, wie sein entwickelter Kurs »Practising the way« viel stärker an der persönlichen Lebenswelt andockt und zugleich geistliche Übungen wie Stille, Zuhören und Bibelmeditation als Antwort auf Selbstoptimierung, Zukunftsangst und das »Höher, Schneller, Weiter« unserer heutigen Zeit einüben hilft. Besonders angesprochen hat mich die Perspektive, dass es darum geht, uns auf die Ewigkeit vorzubereiten und wir uns nicht im Dienst verlieren, sondern die Gemeinschaft mit Jesus an die erste Stelle im persönlichen Leben und in der Gemeinde setzen.
Am zweiten Tag jagte eine Ermutigung die andere und lud dazu ein, selbst Ermutiger zu sein und das Beste zu geben. Den Satz »It’s not about seating capacity, it is about sending capacity« (»Es geht nicht um die Sitzplatzkapazität, sondern um die Sendekapazität.«) empfand ich als Wegweisung für unsere Andreasgemeinde. Wenn wir eine »Quellgemeinde« bleiben wollen, in der Menschen Zuflucht, Erneuerung und Hoffnung erfahren, dann müssen wir nur unseren Platz einnehmen und bereit sein, mit weitem Herzen Großzügigkeit, Ermutigung und Segen zu verschenken.
Dass dies herausfordernd ist, zeigte uns Julia Garschagen vom Pontus Institut auf. Ihrer Analyse nach erscheint das Evangelium für viele Nicht-Christen als emotional irrelevant, intellektuell naiv und moralisch fragwürdig. Doch wie kann aus der scheinbar schlechten Nachricht wieder die Gute Nachricht werden? Ihre Antwort: Indem wir mit der Demut eines Fragenden den Anderen verstehen wollen und an geeigneter Stelle selbst Rede und Antwort stehen über das, was uns Hoffnung gibt (vgl. 1. Petrus 3,15-16). Sind wir bereit dazu?
Spannend waren auch die Zeugnisse, die in einem Talkformat am Nachmittag offenbar wurden. Ich erinnere mich an die Geschichte von einer iranischen Frau und ihrer Familie, die bei Regen im Wald einen trockenen Zettel mit einer Botschaft von Jesus fand, eine Kirche suchte und mit ihrem Erscheinen eine ganze Gemeinde in Bewegung setzte. Beeindruckend fand ich auch das Zeugnis von der TV-Moderatorin Andrea Ballschuh, die als überzeugte Atheistin und gelernte DDR-Bürgerin über mehrere Etappen immer wieder auf Gott gestupst wurde und schließlich durch die Serie »The Chosen« Jesus kennenlernte und sich schließlich taufen ließ.
Am dritten Tag gab es dann nochmal zwei Vorträge. Zunächst von Willow-Programmmacher Jörg Ahlbrecht, der unter dem Titel »Verwurzelt in der Ewigkeit« daran erinnerte, dass wir schon heute in der Ewigkeit leben (Kol 3, 1-2) und das Aufschauen nach Oben lebensverändernde Kraft hat. An den Blick nach oben erinnerte passenderweise eine große Glocke, die wie an unserem Gemeindehaus zwar nicht am hohen Kirchturm hing, aber dennoch den Zweck erfüllte, nämlich kurz innezuhalten und unseren Blick vom Irdischen zu Gott emporzuheben.
Dave Ferguson führte schließlich aus, dass Leiter durch ihre Lebensführung auch ein Vorbild sind und sich dies neben dem geistlichen Leben auch in der Qualität gelebter Beziehungen, im Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen mentalen Gesundheit zeigt. Mit meinen Worten gesagt: Jesus möchte nicht, dass wir uns ausbeuten, sondern uns ihm zur Verfügung stellen; Jesus möchte nicht, dass wir möglichst viel selbst schaffen, sondern dass wir multiplizieren; Jesus möchte nicht, dass wir perfekt sind, sondern dass wir treu in Beziehung mit ihm leben.