Interview mit Talida Benndorf

03.04.2026 | Kirchvorsteher im Gespräch | Rückblick 2020-2026

Im September wird ein neuer Kirchenvorstand (KV) gewählt. Nach 6 Jahren Amtszeit ist das für die aktuellen Kirchvorsteher eine Gelegenheit innezuhalten, zurückzublicken und sich neu auszurichten. Bereits jetzt ist klar, dass einige aus dem höchsten Entscheidungsgremium der Gemeinde ausscheiden werden. In unserer Interviewreihe stellen wir euch einige ausscheidende Kirchvorsteher und ihre Erlebnisse im Amt vor. Das Interview mit Talida wurde im April per E-Mail von Christian Keller geführt.

Talida, du hast dich 2020 mit 18 Jahren zur Wahl gestellt und bist mit den zweitmeisten Stimmen in den Kirchenvorstand gewählt worden. Was hat dich damals bei deiner Entscheidung zur Kandidatur beschäftigt?

Ich habe mir damals viele Gedanken gemacht, ob der KV wirklich der Ort ist, wo ich mich in der Gemeinde einbringen möchte und was ich mit meinen jungen Jahren überhaupt schon einbringen kann. Ich war damals auch sehr „auf dem Sprung“ und suchte nach Glaubens- und Gemeindeformen, die zu meinen Vorstellungen passten. Aber anstatt (wieviele um mich herum) in eine junge, hippe Gemeinde zu wechseln, entschied ich mich zu versuchen, Dinge zu prägen und zu verändern. In meiner Kindheit war ich durch die Gemeinde sehr reich beschenkt worden und wollte etwas in diese Gemeinschaft „zurück investieren“ und dafür sorgen, dass auch Menschen nach mir ein geistliches Zuhause finden.

Mit welchen Anliegen bist du in den KV gegangen? Welche Dinge sind gut gelungen und was ist aus deiner Sicht noch offen geblieben?

Ich wollte die Perspektive der Jugend vertreten und Räume für die Begegnung unter den Generationen schaffen. Bei Ersterem habe ich mich rückblickend glaube ich nicht zurückgehalten, bei Zweitem gab es schöne Ansätze, aber es ist noch ein Weg, wo beide Seiten mutig aufeinander zugehen können.
Mir war immer wichtig, bei Gottesdiensten nach kreativen Formen und noch mehr nach dem Freiraum für Gottes Wirken zu suchen. Hier durfte ich nach einigem „Abstrampeln“ lernen, dass es die eine Lösung nicht gibt und Gott den Zustand unseres Suchens und Ringens wahrscheinlich gar nicht so schlecht findet.

Der KV ist auch Teamarbeit: Was hat dich in der Zusammenarbeit im Kirchenvorstand überrascht?

Es ist sooo gut, dass wir so unterschiedlich sind, weil jeder seinen eigenen Weg mit Gott geht und andere Dinge von ihm erkannt hat. Und man kann Aufgaben (fast immer) nach Begabung und Expertise verteilen, wie toll! Anderseits gibt es natürlich auch mal sehr anstrengende Meinungsdifferenzen… aber mit einer überwiegend konstruktiven Streitkultur und dem Blick auf Jesus sind wir beieinander geblieben und haben immer wieder überraschende Kompromisse gefunden.

Was ist dem KV in der zu Ende gehenden Amtszeit aus deiner Sicht richtig gut gelungen?

Trotz vieler unerwarteter Herausforderungen haben wir nie frustriert aufgegeben, sondern sind (im Vertrauen in Gottes Führung) den kleinen oder großen nächsten Schritt gegangen. Es wurde viel Vergangenes aufgearbeitet, Gegenwärtiges bewältigt und trotzdem schafften wir auch immer wieder den Blick nach vorn. Ich denke es konnten einige grundlegende Strukturen geschaffen werden, die Wachstum und Gemeindeleben ermöglichen. Wir waren stets bemüht um eine transparente und durchdachte Kommunikation in die Gemeinde. Dass sich trotzdem nicht alle immer abgeholt und verstanden fühlten, und sich Enttäuschung äußerte, haben wir versucht wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Die vergangene Wahlperiode war auch von großen Umbrüchen geprägt. Wie ging es dir damit? Wo bist du an persönliche Grenzen gekommen? Was hast du gelernt? Was hat dir dabei geholfen?

Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich mir zu so vielen tiefgreifenden Fragen eine Meinung bilden muss. Zum Glück konnten wir diese Entscheidungen als Team treffen und tragen.
Ja, ich bin an meine Grenzen gestoßen, v.a. immer dann, wenn ich dachte es liegt an mir Dinge zu richten, zu erhalten oder zu erkämpfen. Gott hat mit mir viel über Brote & Fische diskutiert und mir gezeigt, dass es um seine Möglichkeiten geht und nicht um meine Begrenzung, um seine Fülle und nicht um unseren Mangel. Ich durfte lernen, dass er mit meiner Verfügbarkeit oft mehr anfangen kann, als mit meinen Fähigkeiten, die doch oft schnell erschöpft sind. Geholfen hat mir dabei, dass Gott so unglaublich geduldig und tröstend ist.

Würdest du sagen, dass du in deiner Amtszeit Gott näher oder anders kennengelernt hast?

Auf jeden Fall! Ohne das „Abenteuer KV“ wäre ich an einem ganz anderen Punkt in meinem Glaubensleben. Einige Herausforderungen und Aufgaben haben mich aus der Komfort- in die Wachstumszone geholt, wo ich dann oft vollkommen auf Gott geworfen war und Begegnungen mit ihm hatte, wo ich sonst nie nach ihm gefragt hätte. Ich habe seine Gemeinde ganz neu lieben gelernt und das bedeutet, sich viel mit Gott zu freuen, aber manchmal auch mit ihm zu weinen.

Welchen Rat möchtest du möglichen Kandidaten und neuen Kirchvorstehern auf den Weg geben?

Ja, das Amt kostet Zeit und Kraft, aber es schubst einen immer wieder an Gottes Herz und bietet einen sehr bereichernden Einblick in den großen Schatz seiner Gemeinde. Auch wenn man sich manchmal ausgelaugt, allein oder festgefahren fühlt, Gott ist da und trägt uns weiter, auch wenn wir es noch nicht sehen.

Du bist jetzt 24 Jahre alt. Als junge Frau liegt die Zukunft noch vor dir. Was hast du jetzt nach dem geplanten Ausscheiden aus dem KV vor?

Nach 5 schönen Jahren an der Leipziger Musikhochschule schaue ich mich gerade nach Master-Optionen in anderen Städten um. Es freut mich, dass ich meine Profession als Musikerin auch im Gemeinde-Kontext einbringen kann. Das wird sicherlich auch ohne KV weiterhin mein Ehrenamt prägen. Neben dem Lobpreis-Bereich möchte ich mich außerdem gerne noch mehr in Angebote für junge Frauen und Mädels investieren.

Danke Talida für das Gespräch und deinen Dienst!