Interview mit Manfred Lohöfener

Interview mit Manfred Lohöfener

26.04.2026 | Kirchvorsteher im Gespräch | Rückblick 2020-2026

Im September wird ein neuer Kirchenvorstand (KV) gewählt. Nach 6 Jahren Amtszeit ist das für die aktuellen Kirchvorsteher eine Gelegenheit innezuhalten, zurückzublicken und sich neu auszurichten. Bereits jetzt ist klar, dass einige aus dem höchsten Entscheidungsgremium der Gemeinde ausscheiden werden. In unserer Interviewreihe stellen wir euch einige ausscheidende Kirchvorsteher und ihre Erlebnisse im Amt vor. Das Interview mit Manfred wurde im April per E-Mail von Christian Keller geführt

Lieber Manfred,

Sag mal, wie viele Jahre warst du jetzt im Kirchenvorstand? 20, 30 Jahre?

Das war ein Zeitraum von 33 Jahren, vom Dezember 1993 bis zum November 2026. Allerdings war ich in dieser Zeit eine Legislatur, d. h. für 6 Jahre, nicht im Kirchenvorstand, sondern in der Kirchenbezirkssynode und im Kirchenbezirksvorstand Leipzig aktiv. Von 1996 bis 2008 war ich Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Andreasgemeinde.

Lieber Manfred, in diesem Jahr wird deine x-jährige Tätigkeit als Kirchenvorsteher enden. Wenn du ganz an den Anfang zurückkehrst: Was hat dich damals zu deiner Entscheidung für die Kandidatur motiviert?

Das ist vielleicht eine überraschende Geschichte: Die Andreasgemeinde hatte damals nach ProChrist 1993 die dort eingesetzte Tontechnik preiswert übernommen und ich hatte diese Technik im Gemeindesaal eingebaut und das Projekt im damaligen Kirchenvorstand vorgestellt und verteidigt. Also wurde ich als Chef-Tontechniker in den Kirchenvorstand berufen.

Mit welchen 3 für dich wichtigsten Anliegen hast du dich über die Jahre im Kirchenvorstand eingebracht? Welche Dinge sind gut gelungen und was ist aus deiner Sicht noch offengeblieben?

Die Tontechnik habe ich schon genannt. Die wurde weiterentwickelt und ich habe die ersten Tontechniker geschult und die Einsätze in den ersten Jahren geplant.

Im Jahr 2000 hatte der Andreas-Kirchenvorstand die ehrgeizige Idee, das Wahrzeichen der EXPO2000, den EXPO-Wal, als ökumenisches Gemeindezentrum nach Leipzig zu holen. Ich bin Mitgründer des dafür gegründeten Vereins Pavillon der Hoffnung in Leipzig – Förderverein Ökumenisches Zentrum – und war auch der Geschäftsführer im ersten Jahr. Das war eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Kirchenvorstand mit mir als Vorsitzendem und dem Pavillon-Verein mit mir als Vorstandsmitglied und Geschäftsführer.

Unvergessen ist meine Rolle als Mr. ChurchTools. Nicht jeder hatte anfangs verstanden, warum wir eine Dienst- und Veranstaltungs-Planungssoftware benötigen. Doch in den zehn zurückliegenden Jahren ist das Tool unverzichtbar geworden.

Ich habe mich für die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und für die kirchliche Arbeit in der Stadt Leipzig eingesetzt. Daher auch mein Engagement in der Kirchenbezirkssynode. Noch bis Herbst 2027 bin ich im Vorstand dieser Synode. Außerdem habe ich in den letzten Jahren unsere Gemeinde in den Strukturgesprächen in der Region V vertreten und die Verhandlungen der Strukturreform begleitet.

Der KV ist auch Teamarbeit: Was hat dich in der Zusammenarbeit im aktuellen Kirchenvorstand überrascht?

Wir wurden mit »schwerer See“ konfrontiert – und wir haben zusammengehalten! Keiner hat in den Konflikten »hingeschmissen«. Das ist echt beispielhaft!

Was ist dem KV in der zu Ende gehenden Amtszeit aus deiner Sicht richtig gut gelungen?

Der Umgang mit den bekannten Problemen: Alle Gemeinden hatten unter Covid-19 zu leiden und auch wir mussten uns mit Hygienevorschriften und der damit verbundenen Verantwortung plagen. Wir haben in der Gemeindearbeit ermöglicht, was irgend zu ermöglichen war, das war unser gutes Motto.

Dazu kam die Vakanz unserer Pfarrstelle, die nur nach erfolgreichen Strukturverhandlungen und -veränderungen wieder besetzt werden konnte. Das Gemeindegebet wurde initiiert, um diese Prozesse im Gebet zu begleiten. Sooft waren wir auf Gottes Segen angewiesen, und unsere Arbeit wurde gesegnet!

Die vergangene Wahlperiode war auch von großen Umbrüchen geprägt. Wie ging es dir damit? Wo bist du an persönliche Grenzen gekommen? Was hast du gelernt? Was hat dir dabei geholfen?

Die Umbrüche sind oben schon benannt. In manchen Situationen, in manchen Diskussionen habe ich still gebetet und Gott um Rat gefragt. Ja, der Heilige Geist ist nichts Fiktives, sondern will in Problemsituationen angerufen und um seine Gegenwart gebeten werden. Schlaflose Nächte hatte ich wohl nicht, aber manche Probleme haben mich sehr beschäftigt.

Würdest du sagen, dass du in deiner Amtszeit Gott näher oder anders kennengelernt hast?

Zu sehen, wie unterschiedlich Gott in jedem Kirchenvorsteher wirkt und wie die verschiedenen Gaben/Begabungen in der Vorstandsarbeit konstruktiv zusammenkommen, das ist bemerkenswert.

Welchen Rat möchtest du möglichen Kandidaten und neuen Kirchenvorstehern auf den Weg geben?

Bedenke bitte, dass der Kirchenvorstand und der Pfarrer gemeinsam die Gemeinde leiten und viel Verantwortung übernehmen. Vergiss nicht, dass das Haupt der Gemeinde in jedem Fall unser Herr Jesus Christus war und ist und bleibt, der in die Arbeit gern eingeladen werden will, gerade da, wo es schwierig ist. Aber erwarte keine theologischen Debatten im Kirchenvorstand, sondern viele Sachfragen und Entscheidungen zu Finanzen, Personal, Gebäudebewirtschaftung, Planung von Gemeindeveranstaltungen, landeskirchliche Strukturveränderungen u.v.m. Versuche, dieser Arbeit Spaß abzugewinnen. Eine Sitzung, in der nicht gelacht wird, soll es nicht geben.

Du bist jetzt 70 Jahre alt. Was hast du jetzt nach dem geplanten Ausscheiden aus dem KV vor?

Tja, da bin ich auch neugierig. Die Entlastung einerseits bietet andererseits Freiräume für andere Aufgaben in der Andreasgemeinde. Ich bin sicher, dass da noch was für mich kommt, neue Aufgaben warten. Ende des Jahres werde ich mehr wissen.