Einkehrwochenende

19. - 21. Juni | KLOSTER VOLKENRODA

Ein Wochenende der Besinnung

Vom 19. bis 21. Juni fanden wir uns im Kloster Volkenroda zusammen, um Gottes Gegenwart und Liebe zu erfahren und im Glauben an Jesus Christus zu wachsen.

Eingeladen zu diesen Einkehrtagen hatte die Andreasgemeinde Leipzig.

Im Flyer angekündigt war eine Zeit vor Gott zum Durchatmen, Aufatmen und Erfrischt-Werden. Das Bibelwort „Die Freude am Herrn ist unsere Stärke“ sollte uns die Tage begleiten. Der Samstag sollte schweigend verbracht werden, um in der Stille Gott zu begegnen.

Gespannt und neugierig erwarteten wir die erste gemeinsame Zeit beim Abendgebet in der auf uralten Mauern neu errichteten Klosterkirche.

Unsere Gruppe bestand aus 15 Christenmenschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Glaubensprägung. Die älteste Teilnehmerin war 91 Jahre alt, vormals Pfarrfrau und Kantorin. Mit ihrer feinen, zurückhaltenden und humorvollen Art war sie eine echte Bereicherung für unsere Gruppe. Ihr ganzes Wesen strahlte Gottes Liebe aus und wirkte regelrecht ansteckend auf uns.

Das Abendgebet begann 18 Uhr und führte uns durch seinen liturgischen Ablauf und die Betrachtung des Psalms 27 aus dem hektischen Alltag in eine Atmosphäre der Ruhe, Besinnlichkeit und der Gemeinschaft mit Gott. Die erste Einheit nach dem Abendessen eröffnete Kristiane mit der Einladung, das Körper-Kreuz-Gebet einzuüben. Es ist eine Möglichkeit, Gott mit dem ganzen Körper zu erspüren. Ausgeteilte, kleine hübsch gestaltete Zettel mit je einem Psalm-Wort luden ein, sich mit Gottes Wort auseinander zu setzen, darüber nachzudenken und die so gewonnenen Erkenntnisse am nächsten Abend der Gruppe vorzustellen.

Reich gefüllt mit Anregungen und Denkanstößen konnten wir getrost in die Nachtruhe gehen, obwohl sich heftige Gewitter angekündigt hatten, die sich dann auch mit Blitz und Donner über dem Klostergelände entluden. Die Gewitter brachten Reinigung und Abkühlung und waren für Mensch und Tier und die Natur willkommen. Jedoch musste eine neue Wanderroute gesucht werden, da die vorgesehene durch den nächtlichen Starkregen nicht mehr begehbar war.

Der Samstag Morgen begann mit einem liturgisch gestalteten Gottesdienst und der Feier des Heiligen Abendmahles. Die Predigt richtete unsere Aufmerksamkeit auf das Volk Israel und die besondere Bedeutung des Schabbat für Gottes Volk. Wer schon einmal mit jüdischen Geschwistern Schabbat gefeiert hat, weiß; der Schabbat ist ein Tag der spirituellen Einkehr und Ruhe.

Auch für uns begann nach dem Frühstück die Zeit der Stille. In der zweiten Einheit übten wir uns nochmals ein in das Körper-Kreuz-Gebet. Und endeten mit einem ruhigen Schritt-Tanz als Vorbereitung auf das „Pilgern in der Stille“, einer etwa eineinhalbstündigen Wanderung durch Wald und Flur, auf der diejenigen, die daran teilnahmen, die Schönheit der Schöpfung entdecken durften; in jedem Grashalm, den sich eine Schnecke als Fraß- und Kletterstrecke auserkoren hatte, in einer gewaltigen 1000-jährigen Eiche, die ihre Wurzeln tief in die Erde gesenkt hatte und deren Astwerk das Blau des Himmels berührte, in den Tautropfen auf der Wiese, die das ganze Universum spiegelten, in den Beeren, die vom Wunder der Verwandlung sprachen. Bevor aus kleinen grünen Kügelchen süße rote Beeren werden, bedarf es Wasser und Licht. Beides rief Gott als einen der ersten Schöpfungsakte in ihre Existenz.

An dieser Stelle folgt der Bericht meiner Tochter, die am Pilgerweg teilnahm:

"Nach dem Frühstück und einer kurzen Einweisung in den Tag und in die Stille ging es mit Kristiane und Annett auf den Pilgerweg. Zuerst liefen wir einem nachempfundenen Kreuzgang im Christuspavillon entlang. Danach ging es an Felder, grasenden Schafen und einfahrenden Motorradfahrer, die zum Motorradgottesdienst wollten, vorbei zu einem kleinen Pfad in den Wald hinein. Wir mussten aufpassen, daß wir keine Weinbergschnecken zertraten, die den Pfad säumten. Rechts und links konnte man viel entdecken, riechen und schmecken. Die kleinen aufgehängten Holztafeln an den Bäumen mit Bibelsprüchen ließen uns innehalten. Dann öffnete sich eine weite Aussicht zwischen den Bäumen auf die umliegende Landschaft und Dörfer. Wir kamen zu einem kleinen angelegten Pilgerpfad, der über einen Bach führte, sich zwischen Bäumen schlängelte und mit einem mäanderförmigen Weg nach oben zu einem Kirschbaum und an Himbeersträuchern endete. Über eine kleine Strecke Landstraße ging es wenig später in den duftenden Wald, mit seiner herrlichen frischen Luft. Kristiane erinnerte uns an das Thema des Wochenendes "Freude im Herrn" und wir durften das mit Jauchzen und Jubeln ausdrücken. Am Ende der Pilger-Wanderung erwartete uns ein liebevoll gedeckter Tisch im Garten von Annetts Freunden mit Wasser- und Honigmelonen und kalten Getränken."

Da ich die Wanderung auf Grund meiner eingeschränkten Mobilität nicht mitmachen konnte, beschloss ich das Klostergelände zu erkunden mit seiner Vielzahl an Blumenbeeten und -rabatten, Wegeführungen und Sichtachsen und Gebäuden, die regelrecht auferstanden sind aus Ruinen, in denen sich Uraltes mit Neuem verbunden hat; Lehmgefache und Stahl-Glas-Fassaden bilden eine harmonische Einheit und lassen die Liebe der Baumeister und Architekten zu ihrem Beruf und zu Gott erahnen, um diese Örtlichkeit mit Jahrhunderte alter geistlichen Tradition der heutigen Generation wieder zugänglich zu machen.

Geben wir Gott die Ehre darüber, wie ER Menschen befähigt, wunderbare Orte der Einkehr und Stille zu schaffen.

Mit einer Fülle an Eindrücken im Herzen begaben wir uns nach dem Mittagessen und einer kurzen Einführung in den Raum der Stille, einem Raum schöner Kargheit, der das Außen draußen lässt und doch nicht gänzlich aussperrt. Kleine blauverglaste Fenster vermitteln Ruhe und Gelassenheit, Sonnenstrahlen, die durch eine verglaste Öffnung im Dach in das Innere fallen, tauchen den Raum in ein warmes Licht. Grobe Wände aus Kunststein bilden eine Wellenbewegung nach und lassen an das Auf und Ab des Lebens denken. Ein Raum, der einlädt durch Gebet und Meditation das Herz Gottes zu suchen.

Das Herzensgebet ist ein solches Gebet, das Jesus Christus mit jedem Atemzug und der Nennung seines Heiligen Namens in die Mitte unseres Seins holt. Das Herzensgebet ist eine Übung, uns mit Gott eins zu machen und IHM Raum zu schaffen in uns.

Die anschließende Zeit bis zur „Sonntagsbegrüßung“, durfte genutzt werden, die ausgeteilten Psalmtexte zu betrachten, etwas aufzuschreiben oder zu malen, was uns in den vergangenen Stunden besonders angesprochen und berührt hat. Oder ein leises Zweiergespräch zu führen, um danach wieder in die Stille zu gehen. In der Stille zu bleiben, ist nicht immer gelungen; einige unter uns kannten sich noch nicht oder haben sich nach vielen Jahren das erste Mal wieder gesehen. So gab es viele spannende Geschichten über Erfahrungen mit Gott auszutauschen und wir mussten ab und an liebevoll ermahnt werden.

18 Uhr – „Sonntagsbegrüßung“ im Refektorium – ein Begriff, der den meisten von uns unbekannt war und wir waren erwartungsvoll, womit der Sonntag denn begrüßt werden soll. Hierzu gibt es eine besondere Hausliturgie der in Volkenroda ansässigen Jesusbruderschaft, die in wunderbarer Weise einen Bogen schlägt zur jüdischen Feier des Schabbat. Nach dem Gebet über den Weinkelch, der an diesem Samstagabend übervoll gefüllt wurde, sodass er überlief und damit die Fülle der Gaben in Gott symbolisierte und dem Gebet über das Brot feierten teilten wir Brot und Wein. Danach nahmen wir mit dankbaren Herzen unser Abendessen ein und tauschten schon am Tisch unsere Erlebnisse des Tages aus. Anschließend in der Klosterkirche wurden diese Erlebnisse unter dem Begriff „Schätze sammeln“ vor aller Augen ausgebreitet. Für jeden Bericht stellten wir eine Kerze auf farbige Tücher, an deren Ende ein kleines Holzkreuz stand. Jeder einzelne Bericht, jedes gemalte Bild gab Anlass zur Freude, Freude an Gottes Schöpfung, Freude an Gottes Handeln.

Die Einkehrtage fanden am Sonntagvormittag ihren Höhepunkt in einem liturgischen Gottesdienst und der Feier des Heiligen Abendmahles. Den Sonntagsgottesdienst feierten wir gemeinsam mit der Gemeinschaft St. Michael. Sie waren auch zu Einkehrtagen Gast im Kloster. Der Geist Gottes atmete in den Gesängen und Antiphonen, im Lobpreis und jedem zur Ehre Gottes gesprochenem Wort. Ein Glaubensbruder aus unsere Gruppe trug aus dem Buch Nehemia Kapitel 8 die Verse 1 bis 12 vor, in denen der kraftvolle Zuspruch, der uns die Tage begleitete, „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ zu lesen ist.

Ein besonderer Dank gilt den beiden Organisatorinnen Kristiane Flemmig und Annett Schödl, die uns mit vielen geistlichen Impulsen durch die gemeinsame Zeit geführt haben.

Im Sonntagsgottesdienst hielt Kristiane eine frohmachende Predigt, die facettenreich die Freude am Herrn zum Inhalt hatte und uns gestärkt und mutig in den Alltag entließ. Die Bibel ist voll von Versen über die Freude und die Aufforderung sich zu freuen. So schrieb Paulus im Brief an die Philipper im Kapitel 4 Vers 4 „Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch!“ Dass die Freude am Herrn Ihren Ausdruck auch im Jauchzen finden darf und soll, ist durchaus biblisch und findet sich zu Beginn des 100. Psalms, worin es heißt „Jauchzet dem Herrn alle Welt. Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.“

Wobei – das mit dem Jauchzen müssen wir noch üben …

Annett Schödl und Manuela Salzmann