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Ev.-Luth. Andreaskirchgemeinde Leipzig

 

Offener Brief des Kirchenvorstands zu aktuellen Themen

Offener Brief des Kirchenvorstands

Wir leben in besonderen Zeiten. In seiner letzten Sitzung hat der Kirchenvorsteher verschiedene Themen bewegt, die auch viele Gemeindeglieder bewegen. In dem vorliegenden Offenen Brief möchten wir allen Gemeindegliedern und Freunden der Andreasgemeinde ein Stück Orientierung geben.

Bevorstehende Ehescheidung unseres Pfarrers Thomas Piehler und Eva Piehler

Durch einen Brief von Eva an einige Gemeindeglieder kurz vor Weihnachten sowie ein Statement unseres Pfarrers Thomas im Gottesdienst am 10.01. ist nun offiziell, dass die Ehe unseres Pfarrer-Ehepaares dem Ende entgegen geht, trotz Trennungszeit, Paartherapie und vielem mehr. Das macht uns zutiefst betroffen und hinterlässt in uns eine große Traurigkeit! 

Wir wissen, dass es vielen in der Gemeinde ähnlich geht. Besonders schmerzlich ist es insbesondere für jene Gemeindeglieder, die über die vergangenen Jahrzehnte mit ihnen Gemeinde begleitet und gebaut haben, zunächst mit Eva als Pfarrerin und später Thomas als ihrem Nachfolger auf der Pfarrstelle. Ohne ihren gemeinsamen Dienst wäre die Andreasgemeinde nicht das, was sie heute ist.
Es gibt viele Menschen in der Gemeinde, die wissend um Thomas und Evas Situation für die beiden und ihre Ehe kontinuierlich gebetet haben. All das und noch viel mehr hat offenbar nicht vermocht die Heilungsströme in beiden fließen zu lassen, die nötig gewesen wären.

Warum lässt Gott das zu? Wir wissen es nicht.

Wir wissen auch nicht, was letztlich zum Scheitern der Ehe von Eva und Thomas geführt hat. Aber ist das wichtig? Müssen wir als Gemeindeglieder dazu Position beziehen? Wollen wir darüber urteilen? Steht es uns zu, ein zuerst privates Thema unseres Pfarrers in Gemeindetreffen zu besprechen und zu bewerten? Wir bitten euch darum mit aller Dringlichkeit, auf den Versuch einer Beurteilung zu verzichten und euch in keinem Fall auf die eine oder andere Seite zu stellen.

Natürlich ist uns als Kirchenvorstand auch bewusst, dass eine Ehescheidung des Pfarrerehepaares kein gutes Vorbild ist. Jesus sagt „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden" (Mt 19, 6b); aber zugleich wissen wir, dass Jesu Botschaft Gnade und Vergebung ist. Vielleicht mag das Scheitern der Einen für andere Paare ein Weckruf sein, sich die eigene Ehebeziehung anzuschauen und darin zu investieren, damit es nicht soweit kommen muss. Und vielleicht werden wir mit etwas Abstand und unabhängig vom jetzigen Trauerprozess als Leiterschaft zurückblicken und schauen, ob und an welchen Stellen wir als Gemeinde Anteile am Scheitern haben und der Buße bedürfen. Aber dafür ist jetzt nicht die richtige Zeit!

Was wir zuallererst und jetzt tun können ist daran Anteil zu nehmen, welchen Schmerz Eva und Thomas empfinden müssen, wenn sie - jeder für sich allein - auf ihre über 30 Ehejahre zurückblicken und sich nun ihr Scheitern eingestehen müssen. Für diesen Trauerprozess dürfen auch wir uns Zeit nehmen - jeder für sich, und vielleicht auch mit dem eigenen Ehepartner gemeinsam. Vielleicht mag es den ein oder anderen dann doch drängen ein individuelles Gespräch mit Thomas oder Eva zu suchen, um etwas besser zu verstehen oder einfach nur um Trost zu spenden. Eine geistliche Übung für Leiter der Andreasgemeinde könnte sein, Gottes Gnade über Eva und Thomas auszurufen und Gottes Barmherzigkeit stellvertretend für die beiden und auch für die Gemeinde in Anspruch zu nehmen. So wie es uns auch die Jahreslosung sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36).

Aktuelle Gemeindeentwicklung

Als Kirchenvorstand empfinden wir neben allen Schwierigkeiten auch die Verantwortung, unseren Blick auf die Gemeinde zu richten, auf das, was Gott mit unserer Andreasgemeinde vor hat. Uns ist die Gnade geschenkt trotz aller Strukturreformen weiter eine eigenständige Gemeinde zu sein. Wir durften im Herbst 2020 ohne große Widerstände der Landeskirche einen neuen Kirchenvorstand wählen. In der neuen Zusammensetzung des KV ist überdies ein Generationenwechsel sichtbar, der auch die Gemeinde in den kommenden Jahren prägen wird. 

Dazu kommt: Die Gemeinde Gottes ist angefochten durch die Auswirkungen der Pandemie. Die Kontaktbeschränkungen verstärken Vereinzelungstendenzen in unserer Gesellschaft. Diese Entwicklung macht auch vor den Kirchentüren nicht (mehr) halt. In manchen Bundesländern dürfen keine Gottesdienste stattfinden, eine schleichende Entwöhnung droht. Und auch wenn bei uns manches noch stattfindet: Gibt es nicht auch aus unserer Mitte Menschen, die wir in den vergangenen Monaten „verloren“ haben?  

Dem gegenüber gibt es natürlich auch zahlreiche positive Erfahrungen, wie Gott die Pandemie nutzt, um Menschen an sein Herz zu ziehen. Dem wollen wir in unserer Gemeinde mehr Raum geben! Genauso wie wir neue Räume suchen, wo wir als Gemeinde zusammenkommen können! Manche Lebenszelle hat den Weg in den virtuellen Raum geschafft. Das versuchen wir auch mit dem Leitertag am 16.01. weil es uns wichtig ist aneinander dran zu bleiben und die Dinge der Gemeinde miteinander zu bewegen. Der Kirchenvorstand beschäftigt sich in diesen Wochen auch mit der Konstituierung von neuen Arbeitsgruppen, in denen wir bewusst mehr Raum für Begegnung mit Gemeindegliedern, gemeinsames Gebet und Gemeindeentwicklung schaffen möchten. 

Wir stehen in einer gefallenen Welt. Die Dinge um uns herum und in der Gemeinde sind nicht immer ermutigend, vielleicht auch erschreckend. Wir Christen dürfen auf diesem Weg aber immer wieder das Licht erkennen, mit dem Jesus uns anleuchtet, vielleicht sogar glänzen lässt. Wir wünschen allen Gemeindegliedern, dass Ihnen diese Perspektive nach „oben“ immer wieder und immer mehr gelingt. Wir wollen hoffen, dass uns dieser Blick nach „oben“ auch den Weg nach vorn weist, wie wir Gemeinde gestalten. Gott segne euch und uns auf diesem Weg!

Der Kirchenvorstand der Andreaskirchgemeinde Leipzig

Januar 2021


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